Bericht von Irene Heckel zur Buchvorstellung am 06.02.2020


Der Meiers-Beck. Alleine diese drei Wörter genügen, um bei vielen Menschen in Gmünd und Umgebung immer noch ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Eine Fülle von Erinnerungen, Anekdoten, Begebenheiten und Bildern ist von dem Bäckermeister geblieben, der im Dezember 1990 im Alter von 57 Jahren verstarb. Das alles ist der Tatsache zu verdanken, dass das Geschwisterpaar „einfach alles“ aufgehoben hat und die Macher des Buches aus dem Vollen schöpfen konnten. Der Meiers-Beck ist auch nach so langer Zeit immer noch präsent und den Autoren ist es gelungen, aus unzähligen Mosaiksteinen ein Gesamtbild zu erstellen über ein geschätztes Gmünder Original. Dreißig Jahre später stellte der Heimatverein nun im voll besetzten Saal der Krone sein sehnlich erwartetes Buch „Geschichte und Geschichten vom Meier-Beck“ über den vielseitigen Bäckermeister als wertvolles, reich bebildertes Zeitdokument vor. Sein schönes Sandsteinhaus am Marktplatz ist zwar in die Jahre gekommen, wird aber nach dem Kauf durch die Gemeinde derzeit renoviert und in wenigen Monaten wieder als Schmuckstück die Blicke auf sich lenken. Die aufwändige Arbeit honorierten die Gmünder Sparkasse und die Raiffeisenbank gleichermaßen. Jochen Glas und Uwe Beyer übergaben jeweils einen Scheck über 1000 Euro und gaben damit ihrer engen Verbundenheit mit dem Standort und ihre Anerkennung für die Leistung der Beteiligten zum Ausdruck.

 

Viele glückliche Umstände trugen sowohl zum Erhalt des Hauses als auch zur Zusammenstellung des Buches bei. Zwei Bilder zeigen die Geschwister so, wie sie in Gmünd unvergessen sind: Fritz in der Backstube und Grete in der adretten blütenweißen Schürze im Laden hinter einem Berg goldgelber „Weckli“. Margarethe Firla, genannt die Meiers- Gretl, Schwester des unverheirateten Bäckermeisters und guter Geist ihres Elternhauses, beließ das Haus wie zu Lebzeiten ihres Bruders und kümmerte sich dreißig Jahre lang um das unbewohnte Anwesen. Die gute Nachbarschaft zur Familie Schwarz „von gegenüber“ schaffte Vertrauen und so konnte die Gemeinde mit Bürgermeister Ben Schwarz, dem einstigen Nachbarsbuben, das Haus erwerben. Damit einher ging das Versprechen, im Andenken an den Meiers- Beck die Backstube, den schönen Laden und die gute Stube im Erdgeschoß weitgehend zu erhalten. An der Buchvorstellung gab der Bürgermeister die neueste Entscheidung bekannt, dass dort bald die Abteilungen Kultur, Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit einziehen werden.  Ab 1938 war auch die ehemalige Synagoge neben der Bäckerei im Eigentum der Familie Meier. Bemerkenswert ist die Aussage von Fritz Meier beim Verkauf an die Gemeinde im Jahr 1988: „Mein Vater (Peter Meier) hat dieses Gebäude immer als Gotteshaus gesehen.“ Deshalb habe man im Dritten Reich den Wünschen widerstanden, sie zu einem Kino umzufunktionieren.

 

Brigitte Schwarz, 2. Vorsitzende des Heimatvereins und fleißige Heimatkundlerin und ihr Mann Loni, Barbara und Fritz Volkert verbrachten Monate, um den Nachlass des Bäckers und Landwirts zu sichten und das Material für das Buch auszusuchen. Lebendig und berührend wird das Buch durch  die Beiträge von Menschen, die ihn erlebt haben. Sei es in der Backstube, als Tierfreund, erfolgreicher Züchter von Fleckvieh und Geflügel, stolzer Reiter beim Festumzug, gesellig bei Vereinsfesten oder Mitbegründer der Gmünder Landjugend. Die Untersteinbacher Jugend durfte sich in seinem „Stodl“ für den sonntäglichen Kinobesuch umziehen und manches kostbare Moped unterstellen. Legendär sind seine Gänse, denen am Marktplatz zweimal am Tag absolute Vorfahrt gewährt wurde auf ihrem Weg zu Rezat und Steinbächlein. Er war Familienmensch, wie die Delegation aus Ottersdorf mit Richard Fettinger und Verwandten bewies, die in Sachen Stammbaum am Buch mitwirkten. Vater Peter hatte 1921 die Gmünder Bäckerstochter Babette Kalb geheiratet. Eindrucksvolle, gestochen scharfe Aufnahmen zeigen würdige Herren und Bräute in feierlichem Schwarz mit ihren Hochzeitsgesellschaften. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die rund 250 Bilder, darunter alte Handwerkerrechnungen oder Rezepte für die wohl berühmte Linzer Torte und verschiedene Arten von Lebkuchen. Martin von Menzel hat sie nicht nur alle bearbeitet, sondern auch das Layout gestaltet. Die vielen bisher unbekannten Quellen und Abbildungen, historische Nachweise, aber auch die berührenden persönlichen Erinnerungen machen dieses Buch zu einem ganz besonderen Beitrag zur Heimatgeschichte.

 

Das Buch „Geschichte und Geschichten vom Meier-Beck“ zum Preis von 12 Euro ist bei Brigitte und Loni Schwarz am Marktplatz 11 und in der Gemeindebücherei erhältlich.

 

 

 

Text und Foto: Irene Heckel

 

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